Das Moor bezwingen -
Urbarmachung

Menschen am Ewigen Meer (2)



Nachdem unsere Vorfahren recht erfolgreich das Moor überqueren konnten, begann Ende des 18. Jh. die Besiedlung und damit der Kampf gegen das Moor.

In Berumerfehn, Tannenhausen und Bernuthsfeld entstanden die ersten Siedlungen und Anfang des 19. Jh. ließen sich dann auch direkt am Königsweg Menschen nieder.

1829 gründeten Kolonisten
die Gemeinde Eversmeer, die damals aus 7 Kolonaten bestand; 1891 waren es bereits 17 Kolonate.
Die neu entstandene Norderfehngesellschaft begann nun mit der systematischen Entwässerung des Moores - das hieß vor allem Ausbau des Kanalsystems und Errichtung von Moordämmen. Moorstichwege wurden angelegt, von Entwässerungsgräben gesäumt.

Unter der Hand des preußischen Staates entstand auch bald der Speisegraben südlich des Ewigen Meeres.

Wer waren die Kolonisten?

Mit Sicherheit keine abenteuerlustigen Übermütler. Hierher wagten sich vielmehr nur die Ärmsten der Armen - Landarbeiter und Mägde, die bei den reichen Marschbauern ein unwürdiges Dasein fristeten und sich die klitzekleine Chance auf Freiheit erobern wollten und deswegen den Kampf ums Überleben im Hochmoor auf sich nahmen.

"Der ersten Generation den Tod, der zweiten die Not, der dritten erst das Brot."

Das Moor war unerbittlich. Aber die bereits um 1720 aus Holland eingeführte Brandkultur machte es möglich, daß man sich mit Buchweizenanbau über Wasser halten konnte.

Brandkultur - dazu wird das Moor zuerst oberflächlich entwässert, im Frühjahr dann aufgehackt und in Brand gesetzt. In die Asche wird der Buchweizen gesät.

Buchweizen wurde auch "Weizen der armen Leute" genannt. Zum Brotbacken ungeeignet, wurden daraus Grütze und die beliebten Pfannkuchen. Ein Teil des Buchweizens wurde auch gegen Roggen fürs Brotbacken eingetauscht.

Die Kolonate am Ewigen Meer entwickelten sich anfangs auch recht gut und immer mehr Menschen siedelten sich hier an. Doch der Boden war bald ausgelagt und viele der Kolonisten wanderten bis nach Amerika aus.

Als Ostfriesland 1866 wieder preußisch wird, ergreift der Staat Maßnahmen, um die Situation der Kolonisten zu verbessern. Das sind insbesondere:

- der sofortige Besiedlungsstop am Ewigen Meer
- der Ausbau des Königsweges
- das Anlegen eines systematischen Wegenetzes
- die Vergrößerung der vorhandenen Kolonate
- die Einführung des Kunstdüngers, der den Kartoffel- und Roggenanbau
  auch am Ewigen Meer ermöglichte

Nachdem der Torfabbau Ende des 19.Jh. wieder intensiviert und nach 1930 großflächige staatliche Kultivierungsmaßnahmen durchgeführt werden, geht es den Kolonisten wieder besser - das Moor rund ums Ewige Meer ist allerdings von Wiesen, Weiden, Baumreihen und Ackerfläche überzogen.

Der einzelne Mensch richtete im Hochmoor nie Schaden an; erst die Kultivierung im fast industriellen Stil hatte verheerende Folgen für Flora und Fauna am Ewigen Meer.

Die Bezwingung des Hochmoores gehört fest zum Volkstum in Ostfriesland und hat trotz des großen Naturschadens einen gebührenden Platz in der ostfriesischen Geschichte.