Klettern in der Sächsischen Schweiz

Ist free climbing sächsisch?

Die Sächsische Schweiz mit ihren überschaubaren Dimensionen, den romantischen kleineren Felsen inmitten von Bäumen und den imposanten großen Gipfeln bietet eine fast unerschöpfliche Vielfalt für Kletterfreunde und zählt zu den markantesten und schönsten Klettergebieten der Welt.

Besucher der Sächsischen Schweiz beobachten oft staunend die besonders im Sommer zahlreichen Kletterer bei ihrem Sport. Und oft hört man die Vermutung, wer weit oben im Felsen steigt, meistert wohl gerade einen schwierigen Weg. Doch weit gefehlt - es gibt lange einfache Wege ebenso wie kurze schwere und umgekehrt. Und nicht immer ist Höhe auch gleichzusetzen mit schwierig, ein bißchen Schwindelfreiheit ist da oben aber doch vonnöten, die Wandhöhen betragen zwischen 10 und ca. 90 Metern und mit jedem Meter Höhengewinn erlebt und erspürt man viele Millionen Jahre Sandsteingeschichte.


  Gipfel Kletterwege Die Zahl der Klettergipfel ist in den letzten Jahren etwa konstant geblieben. Da wird mal ein Gipfel aus verschiedenen Gründen gesperrt oder aberkannt, und dafür kommt einer neu hinzu. Die sinnvollen strengen Regeln zur Anerkennung eines Felsens als Klettergipfel dienen dem Schutz der einzigartigen Natur. So gelten als Kletterfelsen nur freistehende Felsen ab mindestens 10 Metern Wandhöhe, die nur durch freie Kletterei zu ersteigen sind; Ausnahmen sind lediglich einzelne Kletterwege an 3 Massiven. Die Zahl der Kletterwege ist dagegen immer noch dabei, größer zu werden, besonders Wege der hohen Schwierigkeitsgrade. Für die Begehung und Anerkennung eines neuen Kletterweges gibt es ebenso strenge Anforderungen und auch Erstbegehungs-beschränkungen.
1908 >    200 ca.      400
1965 >    900 ca.   5.000
1994 > 1.100 ca. 15.000
2016 > 1.100 ca. 17.000


Klettern im Elbsandstein - Schöner Einstieg in die KlettereiIn der Sächsischen Schweiz gibt es eine Fülle an Wegen aller Schwierigkeitsgrade. Sie ist nicht nur ein Gebiet für anspruchsvolles professionelles Klettern, sie ist genauso ein Eldorado
für das Klettern mit Kindern und Familie.
Vom schönen Klettereinstieg mit lohnenden leichten und leichteren Kletterwegen für Anfänger, Gelegenheitskletterer, Familien und Kinder mit Schwierigkeiten von I bis III, über wahreKlettern im Elbsandstein - Die Freude am Klettern steckt irgendwann jeden an - Am Einstieg zum "Südweg" (VI*) des "Tiedgestein" "Genußwege" der IV. Schwierigkeit, bei der sich technisch anspruchsvolles Klettern zu luftiger Höhe ohne großes Risiko gesellt, bis hin zum Extremklettern für Freaks im Bereich bis XII ist für jeden etwas dabei.

Ausgangspunkt für die Bewertung der Schwierigkeit eines Weges ist die Beschaffenheit der Felsoberfläche, die das Klettern überhaupt erst möglich macht. Faustregel dabei ist, je kleiner die Griffe und Tritte und je weniger natürliche Sicherungsmöglichkeiten, umso höher ist die Schwierigkeit. Großgriffige Wände mit vielen natürlichen Rast- und Sicherungspunkten sind dagegen richtige "Freudenwege".

Es handelt sich bei der Schwierigkeitsbewertung um die Sächsische Kletterskala, die sich von der UIAA-Skala etwas unterscheidet und in Bezug auf die Leistungsanforderungen nicht einfach 1:1 umgerechnet werden sollte. So mancher Kletterer aus anderen Gebieten hat in der Sächsischen Schweiz als Elbsandstein-Einsteiger schon sein sportliches "Blaues Wunder" erlebt und mußte sein Leistungsvermögen neu bewerten. Empfehlenswertes Motto: "Lieber Tiefstapeln und hochkommen als Hochstapeln und tief fallen". Das physische und psychische Leistungsvermögen der gesamten Seilschaft sollte immer der Schwierigkeit des Weges entsprechen. Am gewöhnungsbedürftigsten dürften die Ringabstände im sächsischen Fels sein, die mindestens 3 - 5 Meter betragen nach der Regel "Geringste Ringanzahl und größtmöglicher Ringabstand". In der Praxis weisen die Wege meist weit größere Ringabstände auf, so kann man auf einem 80m-Weg durchaus nur drei Ringen begegnen. Auf vielen Wegen, auch besonders schweren, ist überhaupt gar kein Ring angebracht. Auch die anderen Sächsischen Kletterregeln machen bewußt, daß es hier um das Erlebnis am Naturobjekt Fels geht und man nicht im Klettergarten ist. Beachtens- und bedenkenswert ist auch, daß über 64 % der Gipfel und Wege (755 Gipfel, 12.600 Wege) im Gebiet des Nationalparks, die übrigen im Naturschutzgebiet liegen.

Das sächsische Klettern ist eine spezielle Facette des Klettersports, die eine ausgefeilte Klettertechnik erfordert. Der Elbsandstein bietet eine reichhaltige grob oder fein gekörnte Felsstruktur mit einer sehr guten Rauhigkeit, an der man mit der richtigen Klettertechnik (und immer nach der Drei-Punkt-Regel) geneigt oder senkrecht über Stufen und Henkelgriffe, zarte Risse, Rippen, Bänder und Fingerlöcher, Reibungswände, Hand- und Schulterrisse, Kamine, Verschneidungen, Quergänge und Überhänge "seinen" Gipfel erreicht. Auch Unterstützungsstellen, Übertritte oder Überfälle und Sprünge sind bei einzelnen Wegen gefordert. Da Ringe spärlich gesät sind, werden Sanduhren, Platten, Zacken und Risse als vielfältige natürliche Zwischensicherungsmöglichkeiten genutzt, es kann auch mal Klettern im Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz - Kletterschuhe ein Felskopf oder ein gut stehender Felsbaum sein. Im sächsischen Fels erfolgt die Sicherung nur durch Seil- oder Bandschlingen mit verschiedenen Knoten.

Klettertechnik allein bringt den Kletterfreund also nicht nach oben. Neben geeignetem und ausreichendem Schlingenmaterial braucht auch das sächsische Klettern noch weitere entsprechende Kletterausrüstung. Ein Bergseil (auch Vollseil oder Einfachseil genannt) mit mindestens 50 m Länge, Abseilachter und ein passender Klettergurt für jeden Kletterer (je nach Herstellervorgaben Nur-Sitz-Gurt, Kombi-Gurt oder Komplett-Gurt), etliche Karabiner, HMS-Karabiner und straff sitzende Kletterschuhe gehören zur Standardausrüstung - mehr braucht's aber auch nicht. Eine spezielle Bekleidung braucht man nicht für´s Klettern. Die lange Hose allerdings werden alle, die schon mal an Naturfels geklettert und abgeseilt sind, schnell zu schätzen wissen.

Die sächsischen Kletterwege sind grundsätzlich für Seilschaften mit Vor- und Nachsteiger ausgelegt, wobei das Kletter-Leistungsvermögen des Nachsteigers ebenso der Schwierigkeit des Weges gewachsen sein sollte, denn auch der Nachsteiger klettert nur aus eigener Kraft und muß zudem die vom Vorsteiger gelegten Zwischensicherungen aus der Kletterhaltung heraus wieder abbauen. Oberstes Gebot ist natürlich immer die Kameradensicherung und auch wer sichern will, muß selbst gesichert sein. Der eigenen Standplatzsicherung sollte also gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das gilt für den sichernden Nachsteiger ebenso wie für den nachholenden Vorsteiger. Für die Sicherung des Vorsteigers ist die HMS-Sicherung die richtige, für die Sicherung des Nachsteigers kann auch die gute "alte" statische Sicherung sinnvoll sein. Der Vorsteiger sollte entgegen modischen Tendenzen ein Komplettsystem aus Hüftgurt und Brustgurt verwenden, da die realen Sturzbedingungen und Falllinien am sächsischen Fels meistens von theoretischen Idealen abweichen. Kletterunfälle ereignen sich heutzutage meist durch Leichtsinn oder fehlerhafte Handhabung der Kletterausrüstung.

Die Sächsische Schweiz ist nicht nur das deutsche Klettergebiet schlechthin ... hier steht auch die weltweite
Wiege des Sportkletterns. Um 1864 wurden die ersten Gipfel aus rein sportlichen Motiven bestiegen. Im Gegensatz zum klassischen Bergsteigen stand nun nicht mehr die reine Bezwingung des Gipfels im Fokus, sondern der Weg auf den Gipfel wurde das eigentliche Ziel. In den ersten Jahren nahm man noch Leitern, Steigbäume, Tritteisen sowie Hammer und Meißel zu Hilfe. Unter dem Einfluß von Dr. Oscar Schuster entwickelte sich ab 1891 das "saubere" Klettern ohne künstliche Hilsmittel. Die Klettertechnik entwickelte sich von der Kaminkletterei über die Rißkletterei bis zur Wandkletterei. Männer wie Dr. Oscar Schuster, Friedrich und Conrad Meurer, Arthur Gühne und Fritz Brosin gehören zu den bedeutendsten Erstbesteigern.

Die Regeln, die sich die wagemutigen Kletterpioniere aufstellten, begründeten sich zum einen im sportlichen Ehrgeiz und zum anderen in der Rücksichtnahme auf die einzigartige und zerbrechliche Natur. Sie gelten seit 1911 bis heute für alle Kletterer, die in der Sächsischen Schweiz unterwegs sind. Die Kühnheit des sächsischen Bergsteigens ist so bis heute unverwechselbar geblieben. Die Kletterregeln werden von Zeit zu Zeit der aktuellen Natursituation angepaßt, die aktuell gültigen Kletterregeln sind auf der Webseite des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) nachzulesen.

Wesentlichstes der Sächsischen Kletterregeln

Grundprinzip des Sächsischen Kletterns ist das freie, sportlich saubere und naturschonende Klettern (Toprope-Klettern ist unerwünscht, weil übermäßig felsschädigend und gilt als sportlich unsauber!). Erlaubt ist das Klettern nur an Felsen, die im aktuellen Standardführer beschrieben werden. Das Klettern ist ausschließlich aus eigener Körperkraft und nur mittels der natürlichen Felsstruktur erlaubt. Sicherungsringe dürfen nur Erstbegeher anbringen, nachträgliche Ringe darf nur der SBB anbringen. Seilschlingen und Bandschlingen als Zwischensicherungen dürfen ausschließlich aus der Kletterhaltung heraus gelegt werden und sind ebenso wie Ringe nicht zur Fortbewegung zu verwenden. Nicht erlaubt sind Begehungen unmittelbar nach Regen, Toprope-Erschließungen, die Verwendung künstlicher Hilfsmittel, Klemmkeile, Klemmgeräte und Magnesia. Ständige oder temporäre Kletterverbote an bestimmten Gipfeln sind unbedingt einzuhalten.


Die in Sport- und Buchläden der Region oder übers Internet erhältlichen Kletterführer weisen den Kletterfreunden den richtigen Weg. 1908 erschien der erste Kletterführer "Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz" von Rudolf Fehrmann. Heute ist das Ganze etwas umfangreicher geworden und so gibt es für die Klettergebiete
- Schrammsteine / Schmilkaer Gebiet
- Bielatal / Erzgebirgsgrenzgebiet
- Gebiet der Steine
- Großer Zschand / Wildensteiner Gebiet / Hinterhermsdorfer Gebiet
- Affensteine / Kleiner Zschand
- Rathener Gebiet / Brand
jeweils separate Kletterführer, die auch Gebietsskizzen mit Zugangswegen sowie Anstiegsskizzen enthalten. Die Beschreibung der einzelnen Kletterwege beginnt immer mit dem ältesten Aufstieg (meist der AW "Alter Weg") und dann im Uhrzeigersinn um den Gipfel herum.

Klettern im Elbsandstein - Blick in ein GipfelbuchHat man den Gipfel erreicht, darf sich nach dem traditionellen
"Berg Heil" jeder Kletterer im Gipfelbuch nach den Vorgaben der Sächsischen Kletterregeln verewigen - eine schöne Tradition. Das Gipfelbuch befindet sich in einer Blechkassette, die auf einer festen Stütze auf dem Felsen aufgesteckt ist. Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) sammelt und archiviert seit vielen Jahrzehnten die vollen Gipfelbücher und bereichert damit die Sächsische Klettergeschichte.
Übrigens: Die Mitglieder der Klettertechnischen Abteilung des SBB führen ehrenamtlich in ihrer Freizeit auch die Wartung und ggf. Erneuerung aller Sicherungsringe, Abseilösen und Gipfelbuchhalterungen aus.

Irgendwann muß jeder wieder runter. Abseilen... ein Vergnügen für sich und für manchen Toprope-Kletterer auch eine neue Erfahrung. Heute hat man es gut, denn jeder Gipfel hat eine Abseilöse. Noch bis ca. 1990 war nicht auf jedem Gipfel so eine Öse, dann wurde vom Gipfel über den leichtesten Aufstieg, in der Regel mit Schwierigkeit I oder II, wieder abgestiegen - bergab aber sehen auch die leichten Wege manchmal abenteuerlich aus und außerdem wurde die Felsoberfläche dieser leichteren Wege übermäßig abgetreten.
Klettern im Elbsandstein - Abseilen - Irgendwann muß jeder wieder runterDie Abseilöse befindet sich jeweils an der Stelle des Gipfels, von der aus man direkt mit seinem Seil den Boden oder die nächste Abseilstelle erreicht. Die Abseilstelle kann also auch genau auf der anderen Seite des Gipfels sein. Oft ist die Abseilöse ein Stückchen tiefer am Gipfelkopf angebracht, um beim Abziehen des Seiles die Felsoberfläche zu schonen. Wenn im Kletterführer nichts anderes angegeben ist, ist die Abseillänge max. 20 Meter. Für den Fall, daß die Abseilacht sich versehentlich selbständig macht und mit "plim-plim" vom Gipfel fällt, ist es von Vorteil, wenn man das Abseilen auch im "Dülfersitz" beherrscht. Abseil-Unsichere und -Neulinge sichern sich beim Abseilen zusätzlich mit einer Prusikschlinge.

Eine schöne Tradition sind auch die alljährlichen Neujahrsbesteigungen. An jedem 1. Januar fahren viele Kletterer in die Sächsische Schweiz, um "ihren" ersten Gipfel des Jahres zu ersteigen. Dazu gesellen sich oft Familie, Kinder und Freunde. Da es am 1. Januar üblicherweise kalt, feucht und oft auch schneebedeckt ist, werden natürlich nur einfache, gut zu sichernde Wege mit stabiler Felsoberfläche gestiegen. Hier geht es nicht um Leistung, sondern um Spaß und den heimlichen Wettbewerb, welcher "Frühaufsteher" sich als Erster des Jahres im Gipfelbuch eintragen kann.

Belohnung sind immer auch die herrlichen und nicht alltäglichen Rundblicke. Für ein genußvolles Verschnaufen auf dem Gipfel und Um-sich-her-Blicken in die wundervolle Landschaft sollte man sich ruhig etwas Zeit lassen.

Wer noch nie geklettert ist und es ob der reizvollen Felsen erlernen möchte oder wer als Kletterer die Besonderheiten des Sächsischen Felskletterns erfahren will, sollte sich an den Sächsischen Bergsteigerbund SBB wenden. Dieser bietet Kletter- und Sicherungskurse an, die allesamt von erfahrenen DAV-Fachübungsleitern bzw. Trainern geleitet werden.

Will man mehrere Tage zum Klettern in der sächsischen Felsenwelt unterwegs sein, bietet sich eine Vielzahl an Gasthöfen, Pensionen, Fremdenzimmern, aber auch Naturfreundehäusern, Wanderquartieren und Campingplätzen zum Übernachten an. Das Übernachten im Freien ist allerdings nur unter strengen Auflagen möglich.

Klettern in der Sächsischen Schweiz - das ist vor allem Sport mit viel Genuß und auch die eigene Grenzerfahrung. Wen das wunderbare Naturerlebnis "Sächsischer Sandstein" einmal richtig gepackt hat, den läßt es nicht mehr los. Und das sächsische Klettern hat noch eine weitere schöne Seite - es ist immer mit einer Wanderung verbunden, denn quasi alle Kletterfelsen sind nur zu Fuß und oft auch über steile Anstiege zu erreichen.