Sächsische Schweiz - Aus dem Sagenschatz



Der Förster von Rosenthal

Die Schandauer Ratsstube

Der Nonnenstein

Der welsche Flößer

Die Lochmühle im Liebethaler Grund

Die Geister vom Hockstein

Die Sage vom Lilienstein

Kyau und das Königsteiner Faß

Der schwarze Hund von Schandau

Die Sage von Schandau

Die Höhlen des Neuen Wildensteins

Der Mittagsspuk auf dem Lilienstein

Das Felsentor im Uttewalder Grund

Der Teufel im Uttewalder Grund

Jutta von der Duba

Ritter Kunz von Rathenstein

Das Buttel von Dorf Wehlen





Der Förster von Rosenthal

Zu Rosenthal wurde 1784 Friedrich Gotthold Auerswald geboren. Der wuchs zu einem besonders zielstrebigen und selbstbewußten junger Mann heran, so daß er irgendwann auch die Aufmerksamkeit des Teufels erregte. Der Teufel bot dem jungen Mann eines Tages einen Pakt an: er, der Teufel, würde ihm, dem jungen Manne, seinen Wunsch nach einem erfolgreichen und langen Leben erfüllen, dafür würde er, der Teufel, so wie es schon immer Brauch ist, nach dem Tod des Mannes dessen Seele bekommen.

Für so manchen wäre das eine schwierige Entscheidung gewesen, auf das vermeintliche Heil im Jenseits zu verzichten, nicht so aber für den jungen Auerswald. Also schlossen die beiden ihren Bund und der steile Aufstieg des Friedrich Gotthold Auerswald begann. Schon bald war Auerswald berühmt für seine Schießkünste und er hatte ein überirdisches Gespür dafür, wo im Wald das Wild ist. In der Jagdzeit schoß er seine Kugeln aus dem Fenster seines Försterhauses durch das Bielatal und bezeichnete den Helfern dann die Stelle, wo das mit einem einzigen Schuß getötete Wild lag, um es einzusammeln und die Strecke zu legen.

Auch sonst war er ein guter Förster mit Weitsicht und Verantwortung. Auerswald wurde schließlich Königlich Sächsischer Oberförster in Rosenthal. Er war angesehen bei seinen Försterkollegen aus den Nachbarrevieren, wurde recht vermögend, heiratete und bekam einen Sohn. Er trieb erfolgreich die Erschließung des wildromantischen Bielatals für Wanderer voran und erhielt in späteren Jahren das Ritterkreuz des Albrecht-Ordens, das König Friedrich August II. für Verdienste um Staat, bürgerliche Tugenden, Wissenschaft und Kunst verlieh.

Als Friedrich Gotthold Auerswald in seinem 80. Lebensjahr war, gesellte sich eines Tages der Teufel wieder zu ihm. Der meinte, es werde nun Zeit, den Bund einzulösen, denn seine, Auerswalds, Zeit im Diesseits sei abgelaufen. Die beiden besprachen sich also und an einem heißen Sommertag im Jahre 1864 legte sich Auerswald nach einem erfüllten Leben zur letzten Ruhe, im Reinen mit sich selbst.

Die Rosenthaler trugen ihren Oberförster am nächsten Tag auf dem Friedhof an der östlichen Mauer zu Grabe, ließen aber eine Ecke seines Grabes offen. So hatte es Auerswald kurz vor seinem Tode noch verfügt und die Leute hatten sich sehr darüber gewundert. Gerade nun, als die Trauergemeinde wieder gehen wollte, kam auf der Straße eine große, fürstlich verzierte, schwarz glänzende Kutsche vorgefahren, von vier feurigen Rappen gezogen. Die Leute liefen hin und sahen neugierig in die Kutsche, aber sie war leer, niemand saß darin. Im selben Moment verdunkelte sich der Himmel und ein eiskalter Hauch wehte über den Friedhof und machte die leichtbekleideten Leute frösteln. Genauso plötzlich wurde es wieder hell und sonnig, die Kutsche fuhr davon und am Abend desselben Tages hatte sich die offene Stelle des Grabes geschlossen.

So ist die Seele des Friedrich Gotthold Auerswald wie verabredet mit dem Teufel gegangen. Sein Grab aber wurde längst eingeebnet, selbst der Grabstein ist verschwunden und in Rosenthal erinnert leider nichts und niemand mehr an den Förster.
nach oben


Die Schandauer Ratsstube

In ziemlich früheren Zeiten saßen die Schandauer Ratsherren regelmäßig zusammen, um über die Geschicke von Schandau zu beraten und zu bestimmen. So ergab es sich, daß einmal bei einem Punkte die Meinungen so verschieden waren, daß die Ratsherren in einen heftigen Streit gerieten. Sie konnten es drehen und wenden, die Fronten verhärteten sich immer mehr und am Ende bildeten sich zwei Lager, die unversöhnlich schienen.

Die Herren sahen am Ende keinen anderen Ausweg, als die Gerichtsbarkeit anzurufen und ihren Streit vom Richter entscheiden zu lassen. Seinerzeit gab es jedoch nur ein einziges Gerichtsamt für die rechtselbige Sächsische Schweiz, und das befand sich in Hohnstein. So mußten sich also die Ratsherren von Schandau nach Hohnstein aufmachen.

Schon seit alten Zeiten führt die Straße von Schandau nach Hohnstein dem Lachsbach folgend über Rathmannsdorf, Porschdorf, durch den Tiefen Grund vorbei an Waitzdorf und an der Grundmühle. In Ermangelung einer weiteren Wegvariante mußten die Streitparteien den gleichen Weg gehen, den aber wohlgetrennt in Grüppchen und weil keine der beiden Parteien später als die andere bei Gerichte ankommen wollte, auch ohne größeren Abstand, aber erbittert schweigend.

Mitten im Tiefen Grund, kurz nach den Treppen, die nach Waitzdorf führen, entlud sich über ihnen plötzlich ein starkes Gewitter mit Blitz und Hagel, schaurigem Regen und grollendem Donner. Eine kleine Felsengrotte rechterhand direkt am Wege, mehr nur ein großer Felsüberhang, schien der rettende Unterschlupf vor dem Unwetter zu sein. Die Männer drängten sich in die kleine Grotte und es ließ sich nicht vermeiden, daß sie enger und immer enger zusammenrücken mußten.

Das Gewitter zog irgendwann weiter und die Ratsherren traten, man mag fast an ein Wunder glauben, friedlich und voller Versöhnung aus der kleinen Grotte, richteten ihre Garderobe und gingen wieder heimwärts nach Schandau.

Seitdem wird die Grotte die „Schandauer Ratsstube“ genannt. Und obwohl man nicht weiß, was genau den Sinneswandel der Männer in dieser kleinen Felsgrotte ausgelöst hat, gehen die Schandauer seither, bevor sie einen Streit vor Gericht tragen, in diese kleine Grotte, rücken eng zusammen und sprechen nochmal in aller Ruhe, um ihren Zwist friedlich beizulegen.
nach oben


Der Nonnenstein

Dereinst stand in Böhmen ein Nonnenkloster. Eine der jungen Nonnen verliebte sich irgendwann in einen der Ritter, die oft beim Kloster Einkehr hielten. Dem Ritter schien die junge Nonne auch wohl zu gefallen und so entschloß sie sich, aus dem Kloster zu ihrem Liebsten zu fliehen und seine Frau zu werden.

Eines Nachts, als alles schlief, gesellte sie sich zum Klosterpförtner, der als einziger Wache hielt und kredenzte ihm einen Abendtrunk. Den hatte die Nonne vorher mit reichlich Gift versehen und als der Pförtner den dritten Schluck getan hatte, fiel er tot zu Boden.

So war der Weg frei und die Nonne eilte zu ihrem Rittersmann und ward in dieser Nacht noch von ihm zur Frau gemacht. Sie gab sich ihrem Liebsten hin und glaubte, nun fange das Glück an. Der Ritter aber war, wie es wohl viele Ritter waren, ein Schwerenöter, der nichts Ernsthaftes bezweckt. Nach dieser Nacht hatte der Ritter alles, was er je von der jungen Nonne wollte und verstieß sie schnöde und gnadenlos.

Zurück ins Kloster konnte die Nonne nach dem heimtückischen Mord nicht mehr. Gnade bei Gott war auch nicht zu erwarten nach dieser Tat und der Schande, die sie mit dem Ritter begangen hatte. Also war sie nun ganz allein auf der Welt und wanderte elbabwärts, bis sie bei Weißig einen alten Mann traf, der Mitleid mit der völlig erschöpften Nonne hatte und sie bei sich aufnahm.

Kurz darauf erschien der Nonne im Traum ein Engel, der ihr bezeigte, daß sie, wenn sie von nun an täglich auf dem nahegelegenen hohen Felsenstein bete, doch noch Gnade bei Gott und damit ihren Seelenfrieden finden werde. Von nun an kletterte die Nonne jeden Tag auf den Felsen, betete und betete.

Mittlerweile waren bereits zwei Jahre vergangen, in denen die Nonne jeden Tag den Felsen zum Beten bestieg und auf ein Gnadenzeichen Gottes hoffte. Eines Tages kehrte sie nach dem Beten nicht mehr zu dem alten Manne heim und die Leute aus Weißig taten sich zusammen, um sie zu suchen. Schließlich fand man sie tot auf dem Felsen oben liegen, sie war beim Beten gestorben und es blieb unklar, ob Gott sich als gnädig erwiesen und ihr doch noch den Seelenfrieden geschenkt hatte oder ob sie in den dunklen Teil des Jenseits gehen mußte.

Seither wird dieser Felsen der Nonnenstein genannt und manche glauben, wenn man ihn sich genau ansieht, hat der Felsen auch die Gestalt einer Nonne.
nach oben


Der welsche Flößer

Bereits vor einigen hundert Jahren kamen aus dem Welschenland die Italiener in das Elbsandsteingebirge, um nach Edelsteinen und Gold zu suchen. Und sie fanden es überall dort, wo die Einheimischen nie etwas gefunden hatten. Die Welschen, so nannte man damals die Italiener, meißelten in die Felswände geheime Zeichen und überhaupt verfügten diese lustigen und erfolgreichen Menschen über allerhand Zauberkünste.

Später dann, zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen wieder die Welschen nach Böhmen und Sachsen, diesmal als fähige Bauleute, die unter anderem die Edmundsklamm ausbauten, weil dort künftig touristische Floßfahrten stattfinden sollten. Einer von ihnen, Seppe, fand besonderen Gefallen an der großen Flößerei, mit der die Einheimischen damals noch ihr täglich Brot verdienten. Und so fuhr er bei jeder Gelegenheit mit den Flößern, wenn sie ihre Baumstämme elbabwärts steuerten.

An einem heißen Sommertag war er wieder mit den sächsischen Flößern unterwegs auf der Elbe. Irgendwann plagte alle der Durst und sie griffen nach ihrem schon zu Beginn der Talfahrt zubereiteten Kaffee. Aber ach, die Milch in dem Kaffee war inzwischen durch die Hitze sauer geworden. Sie fluchten und kippten den Kaffee also ins Wasser und einer begann, neuen zu kochen. Nur frische Milch hatten sie keine und der Sachsen Kaffee geht ohne Milch gar nicht.

Schelmisch fragte der Seppe, ob die Flößer denn gern Milch in ihren Kaffee wöllten. Was war das für eine Frage, aber Milch hatten nur die Kühe, die hier gerade auf den Wehlener Elbwiesen weideten. Seppe jedoch lachte, nahm sein Messer, stieß es kopfüber in das Holz der Ruderstange, stellte einen Topf darunter und begann, den Messergriff wie beim Melken zu streichen. Und tatsächlich füllte sich unter den staunenden Augen der Flößer der Topf mit frischer Milch. Das war wohl wieder eine der welschen Zauberkünste, aber die Flößer waren froh, daß sie nun doch noch ihren Kaffee mit der geliebten Milch trinken konnten.

Am Abend desselben Tages holte der Wehlener Bauer seine Kühe wie jeden Abend von der Wiese in den Stall, um sie zu melken. Doch wie sehr wunderte er sich, daß eine einzige Kuh so gar keine Milch gab, obwohl sie den ganzen Tag mit den anderen auf der Weide gestanden hatte. Gerade so, als ob sie schon gemolken wäre.
nach oben


Die Lochmühle im Liebethaler Grund

Tief im Liebethaler Grunde an der Wesenitz stand schon seit ewiger Zeit eine Mühle, malerisch schön eingebettet in der grausenden Tiefe. Über hundertsechzig Sandsteinstufen von Daube aus gelangte man hinab zu dem Müller und seiner Frau. Die beiden waren fleiß´ge und brave Leut´, doch schon oft war ihre Mühle von herabstürzenden Felsbrocken getroffen oder vom Feuerteufel heimgesucht worden. Die Wesenitz verwandelte sich zudem bei Tauwetter oder Regen gern in einen reißenden Bach, der die Mühle immer wieder schädigte. Und irgendwann war die kleine Mühle so baufällig, daß sie einzustürzen drohte.

In einer düsteren Gewitternacht saßen die beiden Müllersleut´voller Sorgen in ihrer Stube und sannen über das ihrige Schicksal und das der Mühle nach. Woher sollten sie nur Geld zum Reparieren der Mühle nehmen, die Leute wollten ihr Getreide weiter mahlen lassen und von irgendetwas mußten die beiden auch leben.

Mitten im Klagelied trat plötzlich der Teufel in die Müllersstuben und sprach:
"Schließt mit mir einen Pakt. Ich baue euch über Nacht die Mühle auf, daß sie hält noch hundert Jahr´. Auch Geld bekommt ihr noch obendrein, nie wieder sollt ihr voller Sorge sein. Doch als Gegenstück bekomme ich den, der im Morgengrauen als erstes schaut zum Fenster raus. Den will ich mit in meine Hölle nehmen für immerdar."
Der brave Müller zögert, ihm graust´s bei dem Gedanken. Seine liebe Müllerin jedoch lächelt und unterschreibt ganz unverzagt das Papier, der Müller tat´s ihr schließlich nach und mit ein paar Tropfen Blut ward der Pakt besiegelt. Der Teufel steckt das Papier ein und schon bricht ein Getöse aus. Noch eh man sich versah, war die Mühle neu und fest gebaut und das Wasser trieb munter das Mühlrad an.

Am nächsten Morgen ganz in der Früh´ lag der Teufel auf der Lauer und war gespannt, wer wohl von den beiden Müllersleut´zuerst aus dem Fenster schauen würde. Die Müllerin aber ging flink in den Stall, streichelte dem Esel ein letztes mal über den Kopf, kraulte ihn hinterm Ohr, setzte ihm die Schlafmütze ihres Mannes auf und führte ihn in die Stuben. Sie schob den Esel zum Fenster hin und der Esel streckte seinen Kopf zum Fenster hinaus. Der Teufel glaubte den Müller zu sehen, schnappte sich den Esel und fuhr mit ihm in sein Höllenreich. Erst da bemerkte der Teufel den Betrug, Vertrag aber war Vertrag und so schickte er sich in seine Niederlage.

Der Müller und seine Frau aber freuten sich über ihre neue Mühle, sie mahlten rechtschaffen das Korn der Leute und eröffneten bald auch noch eine Schankwirtschaft, denn die ersten Schweizreisenden entdeckten den romantischen Liebethaler Grunde. So lebten die beiden guten Müllersleut´ noch lange glücklich über hundert Jahr´. Das Mühlenhaus steht noch heute, jedoch ist es verwaist und dem Verfall preisgegeben.
nach oben


Das Felsentor im Uttewalder Grund

Vor langer langer Zeit stand im Uttewalder Grund eine kleine Hütte, drin wohnte ein braver und frommer Einsiedler, der betete bei Tag und bei Nacht und war auch sonst stets ein guter Mensch. Die Leute ringsum in der Gegend nannten ihn nur den Frommen Udo. Irgendwann erfuhr auch der Teufel von dem braven Manne und sann darauf, dessen Seele für sich zu holen. Der Satan rauschte in den Uttewalder Grund und nistete sich in einem großen Felsenloch ein, das wird heute noch die "Teufelsküche" genannt. Dort spann er allerlei teuflisches Garn: er kochte einen stinkenden Schwefelbrei, dessen Dampf den ganzen Grund durchzog und auch die kleine Hütte des Udos umschwirrte und ihn verjagen sollte - doch der fromme Udo betete umso inbrünstiger und der Gestank verschwand. Der Teufel ließ aus der kleinen Quelle nahe an des Einsiedlers Hütte statt Wasser duftenden weißen Wein sprudeln, der ihn umnebeln und frevelhaft werden lassen sollte - doch der fromme Udo betete umso inbrünstiger und der Wein verwandelte sich wieder in frisches Wasser zurück. Der Teufel schickte zauberhafte verführerische Hexen, die die Fleischeslust des Frommen Udos wecken und ihn von seinem Glauben abbringen sollten - doch der fromme Udo betete umso inbrünstiger und die schönen Hexen verschwanden wieder. Der Teufel verstreute goldene Taler rund um die Hütte, die ihn zur Habgier verführen sollten - doch der fromme Udo betete umso inbrünstiger und die Goldtaler wurden zu Kieselsteinen. An dem braven Manne prallte einfach alles Teuflische ab.

Eines Tages ging der Fromme Udo wieder wohlgemut aus seiner Hütte. Mit reiner Seele und fröhlichem Lied auf den Lippen und immer vor sich hin betend schritt er durch den Uttewalder Grund. Der Teufel war voller Wut und Zorn, daß er des Frommen Udos Seele nicht erbeuten konnte. Der Fromme Udo war noch nicht weit gegangen, als der Teufel zum letzten Mittel griff und mit einem Mal ein großes Felsenstück aus der Wand brach und es nach dem braven Manne warf. Der fromme Udo hätte auch mit dem schnellsten und inbrünstigsten Gebet keine Chance, diesen gewaltigen Felsbrocken zu stoppen. Doch da schwebte aus dem Dunst des Grundes eine Elfe herzu, es kann auch ein Engel gewesen sein, schob zu beiden Seiten die Felswände so eng zusammen, daß der Felsbrocken des Teufels darin festklemmte, noch bevor der den Frommen Udo treffen konnte.

So war das Felsentor im Uttewalder Grund entstanden. Und der Teufel?
Der raste und tobte und warf Haufen von Schwefel um sich. Und dann verschwand er für immer aus dem Uttewalder Grund und wird wohl einer anderen Seele hinterhergejagt sein. Der Fromme Udo lebte noch viele Jahre selig und zufrieden in seiner Hütte und betete bei Tag und bei Nacht. Der Schwefel des Luzifers aber ist noch immer in Gestalt der Gelben Schwefelflechte an den Felswänden rund um das Felsentor zu sehen.
nach oben


Der Teufel im Uttewalder Grund

Eines Tages Ende des 18. Jhd. nächtigen im Wehlstädtel (heute Stadt Wehlen) drei Landreisende. Sie sind Hausierer und bieten an den Haustüren ihre Waren feil. Nun möchten sie die Gelegenheit wahrnehmen, wenn sie schon einmal in der Sächsischen Schweiz sind, die Schönheiten dieser vielgepriesenen Landschaft zu sehen. Sie begeben sich also am nächsten Morgen vom Wehlstädtel aus ganz mutig und ohne Führer in den wilden Wehlener Grund und von dort in den noch wilderen Uttewalder Grund. Als sie sich so staunend und verwundert umsehen und laufen, gelangen sie an eine enge Stelle. Und wie die guten Landreisenden so versunken in die Gegend sind, rauscht über ihren Köpfen hinweg über den Grund plötzlich eine schreckliche Gestalt - groß und feist und dunkel mit einem Horn oder einem langen Schwanz. Die dunkle Gestalt macht dabei ein unerhörtes Getöse und Geratter, das die Hausierer noch nie gehört haben. Der Schreck fährt den dreien in die Glieder und das Blut gefriert in ihren Adern. Das kann niemand anderes als der Teufel selbst sein. Die Furcht ergreift die drei gehörig, sie fliehen spornstreichs aus dem Grund. Im Wehlstädtel wieder in Sicherheit, erzählen die Hausierer jedem, der es hören will: Im Uttewalder Grund haust der Leibhaftige, sie haben den Teufel selbst über den Grund fahren sehen.

Was war geschehen?
Unseren drei Landreisenden hatten Aberglaube und Fantasie einen Streich gespielt. Die Uttewalder hatten sich an der besagten Stelle nahe des Schleifgrundes eine pfiffige Seilbahn gebaut, um ihr geschlagenes Holz zu transportieren. Sie spannten mit Gefälle ein dickes Seil aus Hanf von Baum zu Baum über den Grund. Daran war eine Art Gondel mit groben hölzernen Rollen gehangen. Die Gondel wurde voll mit Scheitholz und überlangen Pfählen beladen und sah in dem diffusen Licht des Uttewalder Grundes wie ein Teufel mit langem Schweif aus. Wenn die schwere Gondel dann schnell und tösend mit lautstarkem Geratter über den Grund sauste, hallte es gespenstisch zwischen den Felswänden, was unsere Hausierer so schlimm erschreckte.
nach oben


Jutta von der Duba

Im Mittelalter, als das große böhmische Adelsgeschlecht der Berka von der Duba mit der Burg Altrathen belehnt ist, lebt da auch Jutta von der Duba, das Burgfräulein und Tochter des Ritters Witigo von der Duba. Jutta ist von besonderer Schönheit und soll, wenn es nach dem Willen des Vaters geht, verheiratet werden mit dem Böhmenkönig Premislaus Ottokar. Sie aber liebt den jungen Ritter, einen gewissen Bernhard von Kamenz, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Die beiden treffen sich heimlich und haben sich längst untereinander versprochen; sie nutzen jede Gelegenheit, um beisammen zu sein. Als Witigo von der Duba ein Bildnis seiner schönen Tochter in Vorbereitung der Vermählung mit Ottokar fertigen lassen will, läßt er nach den besten Kunstmalern in seinen Ländereien ausrufen. Der verliebte Bernhard mischt sich als Kunstmaler getarnt unter die Bewerber für den Auftrag und schummelt sich so auf die Burg. Witogo entdeckt jedoch die Verkleidung und ist erzürnt. So kommt dann schnell der Tag, an dem Bernhard mit vielen anderen Rittern unter dem Heiligen Kreuz gen Morgenland ziehen muß, um das Christentum zu verbreiten. Seine liebe Jutta muß einsam und sehnsuchtsvoll zurückbleiben. In der Nacht, bevor Bernhard gehen muß, begleitet Jutta ihren Liebsten beim Schein des Vollmondes bis zum Amselfall, dort nehmen sie Abschied voneinander. Unter Tränen und heißen Küssen schwören sich die beiden Verliebten die Treue bis übers Grab.

Der junge Ritter indes kommt nicht wieder, er findet in der Ferne einen grausligen Tod durch Feindeshand. Seit dem geht das Burgfräulein Jutta in jeder Vollmondnacht in den Amselgrund und wartet dort in der Höhle unter dem Wasserfall um Mitternacht auf ihren Bernhard. Und manchmal kann man dann noch heute ihr Klagelied hören.
nach oben


Ritter Kunz vom Rathenstein

Auf der Burg Rathenstein (heute Felsenburg Neurathen) hoch oben auf dem Felsen nahe der Bastei lebte einst der Ritter Kunz. Auf der großen Burg ging es oft sehr lustig zu und der Ritter und seine Gäste frönten gern dem Weine, von dem die Knappen recht viele Fässer auf die Felsenburg schleppen mußten.

Der Ritter Kunz jedoch war dem süffigen Getränk ganz besonders zugetan, er hatte immer Durst. Er trank Unmengen vom weißen Meißner Wein, er trank Unmengen vom edlen roten Pillnitzer Wein, der sich damals wegen des Meißnischen Hochlandes ebenfalls Meißner Wein nannte. Und er trank ebenso gern und in Unmengen vom Böhmischen Wein aus Melnik, am liebsten den roten Portugieser. Von morgens bis zur Nacht trank der Kunz ohne Unterlaß, lebte in Saus und Braus und ließ es sich wohl sein - er glaubte wohl, jeden Tag besoffen zu sein, sei auch ein ordentliches und geregeltes Leben. Da ward also im Nu ein Faß geleert und dann ein zweites und bald schon ein drittes.

Es kam der Tag, daß nur noch ein einziges Faß auf der Burg vorrätig war und die Knappen keinen Nachschub heranschaffen konnten. Dem Ritter Kunz ward nun besonders arg und gram, als er an das letzte Faß ging. Schluck für Schluck trank er hastig den roten Wein und als der letzte Tropfen des Rebensaftes seine Kehle durchflossen hatte, gab es für den Kunz auf der Welt kein Bleiben mehr. So stürzte sich der Ritter vom Felsen der Mardertelle (auch Martertelle genannt) hinab in den tiefen schaurigen Grund, wo ihn bis heute niemand mehr fand.

Seit dem geht sein Geist in diesem Grunde um und zu finstrer mitternächtlicher Stunde schleicht er sich zur Bastei hinauf und geht dort durch Hotel und Gastwirtschaft und schaut, wo noch eine Neige steht. Egal, ob Bier oder Wein, alle Neigen trinkt er aus und verschwindet beim Morgengrauen wieder im tiefen Grund der Martertelle unterhalb der Basteibrücke. Und wer dem Ritter Kunz wohlgesonnen sei, der lasse bei seiner Einkehr in der Basteiwirtschaft ein Schlückchen Wein im Glase zurück und bitte den Wirt, es über Nacht für den Kunz vom Rathenstein stehen zu lassen.
nach oben


Die Sage vom Lilienstein

Der Lilienstein ragt hoch empor und die Elbe umschmeichelt ihn fast rundherum. Einst stiegen Neugierige nach der Sonnenwende in der Johannisnacht auf den Lilienstein, um die Sterne besser leuchten zu sehen. Sie kamen auf ihrem Wege an eine Tür, die ins Innere des Steines zu führen schien. Man erzählte sich seit langem, daß im Lilienstein ein großer Schatz von Gold und Edelsteinen verborgen sein sollte. Die braven Leute trauten sich nicht, die Tür zu öffnen. Doch plötzlich weitete sich der Fels und ein Männlein, klein wie ein Zwerg, erschien ihnen. Das Männlein sprach: "Wer sonntags geboren und unschuldig und rein, dem wird der Schatz gehören. Wessen Seele jedoch nicht ohne Fehl, dem bringt der Schatz viel Fluch und Gram." Sprach´s und verschwand und mit ihm die Tür im Felsen.

Später versuchten immer wieder Waghalsige und Raffgierige, den Schatz vom Lilienstein zu heben. Man hat sie immer am nächsten Morgen am Fuße des Liliensteins gefunden, zwar am Leibe unversehrt, doch verstört. Sie berichteten von gespenstischen Wesen, die sie vom Felsen geworfen hatten, noch bevor sie jene bewußte Felsentür haben öffnen können.

Jahre später ging dann eine arme Frau aus Waltersdorf mit ihrem Kind auf den Lilienstein, um Blaubeeren zu sammeln. Da trifft auch sie auf die Tür im Felsen. Die aber steht diesmal offen und die gute Frau kann in die Grotte sehen und wird des vielen Goldes und der Edelsteine gewahr. Sie setzt das Kind in der Höhle ab und rafft sich die Schürze voll, soviel sie gerad noch wegtragen kann. Sie läßt ihr Kind in der Grotte zurück. Als die Frau umkehrt, kann sie die Tür nicht mehr finden und sie muß gramgebeugt allein nach Hause gehen, das Kind ist verloren.

Genau auf den Tag ein Jahr später kehrt die Mutter auf den Lilienstein zurück. Sie findet die Tür und wieder steht sie offen. Das Kind sitzt unversehrt und unbeschwert bei all dem Golde und spielt mit Edelsteinen, als ob nur ein Augenblick verflossen wäre, seit die Mutter ging. Die Frau schließt ihr Kind in die Arme und glücklich gehen die beiden nach Hause, den Schatz aber lassen sie zurück und als sie sich nach wenigen Schritten umschauen, ist die Tür schon wieder verschwunden.

So liegen das Gold und die Edelsteine bis zum heutigen Tag in der Grotte im Lilienstein und wer die Tür findet und ein reines Gewissen und ein reines Herz hat, der kann sein Glück versuchen.
nach oben


Kyau und das Königsteiner Faß

König August der Starke, der Kurfürst von Sachsen, saß eines Abends des Jahres 1715 mit dem Freiherrn Friedrich Wilhelm von Kyau, der eigentlich Kyaw hieß und ein kursächsischer Generalleutnant war, beisammen beim guten Weine und sie prosteten sich mit allerlei Trinksprüchen zu. Der Kyau nämlich vertrat die Meinung, daß Trinken ohne Trinkspruch nur Sauferei wäre, Trinken mit Trinkspruch dagegen reine Hochkultur und des Königshofes würdig. Aber nicht nur deshalb saß der König immer wieder gern mit dem Generalleutnant beisammen, sondern Kyau war auch sonst am ganzen Hofe beliebt ob seines geistreichen Witzes und seiner Streiche und auch der König liebte mal einen deftigen Scherz. An besagtem Abend nun tat der Kyau ganz vergrämt und auf die Frage, was ihn denn drücke, antwortete der General: "Ach, Kurfürst und König, ich wär´ so gern, nur fünf Minuten lang, einmal an Eurer Stelle, dann wär´ ich wieder froh." Der König ahnt den Schelm und erhob sich von seinem Sitze und verkündigte, daß der Kyau ab sofort für fünf Minuten König sei und er selbst sei für diese Zeit der Kyau. Schnell wurden die Plätze getauscht und der Freiherr von Kyau verkündete laut, daß er, der ja gerade Kurfürst und König sei, den Generalleutnant Kyau zum Kommandanten von Königstein ernenne und ihm jährlich dreihundert sächsische Fuder besten Weines als Lohn zahle. Der König nahm den Scherz an und schickte den Kyau sogleich auf die Festung Königstein, damit er dort seines Amtes walte. So wurde der Freiherr von Kyau durch sich selbst und ohne viel Aufhebens zum Festungskommandanten.

Bis zu seinem Tode im Jahre 1733 führte er ein gerechtes Amt, war stets von geradem Charakter und haßte alle Falschheit und Schmeichelei. Um seinen jährlichen Lohn von dreihundert Fuder Wein aufzubewahren, überredete der Kommandant Kyau 1722 galant seinen Kurfürsten, ein riesiges Faß bauen zu lassen, um damit den Wettstreit mit dem Kurfürsten von der Pfalz um das größte Weinfaß zu gewinnen. Und so wurde für mehr als achttausend Taler das Königsteiner Faß gebaut. Kein geringerer als der Baumeister Pöppelmann entwarf es und Böttcher Hölbe aus Straßburg  und die Küfer bauten daran ganze drei Jahre mit bester Eiche. Das Faß hatte wohl an die dreißig Faßreifen und war um die elf Meter hoch. Im ganzen Kurfürstentum und Königreich gab es nie ein größeres. Nur ein einziges Mal schafften es die Winzer des Landes, soviel Wein zu machen, daß der General Kyau das Faß, das natürlich weit mehr als dreihundert Fuder umfaßte, ganz voll füllen konnte. Vermutlich werden er und König August der Starke noch eine ganze Menge geistreicher Trinksprüche verkündet haben. Noch über achtzig Jahre bestand das Faß und weil es nach des Kyaus Tod nie mehr gefüllt wurde, zerfiel es irgendwann im Jahre 1818 im Keller der Festung.
nach oben


Der schwarze Hund von Schandau

Es war in grauer Vorzeit, da war in Schandau auf dem Schomberg eine Burg, da wohnte ein Ritter mit seiner Tochter, dem schönen Burgfräulein. Der Ritter, der einer der Freiherrn von Duba gewesen ist, war ein garstiger Unmensch, der seine Untertanen, Knappen und Knechte schindete und ausbeutete und durchreisende Handelsleute gern beraubte. Wenn zum Beispiel die Verzweifeltsten seiner Untertanen in ganz argen Zeiten den Ritter um etwas Brot anbettelten und anflehten, dann ließ er sie regelmäßig von einer Meute angriffslustiger schwarzer Hunde vom Burgberg treiben und nicht wenige der armen Leute wurden von den Hunden gebissen oder gar zerfleischt. Das Gold und die anderen Kostbarkeiten, die sich der Freiherr von Duba auf seine Art so zueignete, vergrub der Geizige im Burgberg. Mit der Zeit sammelte sich so ein mächtiger Schatz an.

Irgendwann, man weiß nicht mehr genau, wann und wie es geschah, da ereilte den Freiherrn von Duba sein Schicksal. Es muß ein guter Berggeist gewesen sein, der den Ritter in einen schwarzen Hund mit rotglühenden Augen verwandelte, der dann des nachts zur zwölften Stunde wild durch die Straßen von Schandau geistern mußte. Der Berggeist war wohl aber zu zornig, denn er verwandelte auch die Tochter, das Burgfräulein - in eine riesige Erdkröte. So sollte sie für die Untaten ihres Vaters büßen, der Berggeist ließ dem Burgfäulein jedoch noch eine Möglichkeit der Erlösung: Wenn in den kommenden 300 Jahren nachts einer auf den Burgberg steigt und es schafft, die Kröte dreimal zu küssen, dem soll die Burg und der Schatz und, wenn derjenige denn wollte, auch das Burgfräulein gehören.

Es haben wohl einige Mutige versucht, den Fluch zu lösen und gehofft, das schöne Burgfräulein zur Frau nehmen und auch den Schatz aus dem Burgberg ihr eigen nennen zu können. Doch jedesmal, wenn ein waghalsiger junger Mann die Kröte küßte, erfaßte ihn spätestens nach dem zweiten Kuß solch ein Ekel, daß es keiner schaffte, die Kröte ein drittes Mal zu küssen. Und so blieb es die ganzen dreihundert Jahre.

Irgendwann im 15. Jhd. verfiel die Burg und die riesige Kröte war verschwunden, ohne daß sie von ihrem Fluch erlöst worden wäre. Den schwarzen Hund mit den feurigen Augen sah man aber weiter des nachts wild und fürchterlich durch Schandau laufen. Man erzählte sich, daß um 1700 eine Frau aus Schandau ihm auf dem Kirchhof begegnet sei und völlig ohne Angst den Hund gestreichelt und mit ihm gesprochen hat. Da soll in dem Hund eine Wandlung vor sich gegangen sein, er soll plötzlich ganz friedlich und treuherzig dreingeblickt und seinen Kopf in die Hände der Frau gelegt haben. Seitdem ward der schwarze Hund niemehr gesehen. Der Schatz aber liegt noch immer irgendwo im Burgberg, der heute Schloßberg heißt, vergraben.
nach oben


Die Sage von Schandau

Einst, am Beginn des 15. Jhd., vererbte Hinko von der Duba seinem zweiten Sohne Heinrich die Herrschaft Wildenstein. Der Heinrich war der Übelste unter den Raubrittern, die die Handelswege des Elbsandsteingebirges belagerten und ihre Haushaltskassen mit Straßenräubereien aufbesserten. Das ließ sich der Oberlausitzer Sechs-Städte-Bund nicht länger gefallen und schickte tapfere Ritter in den Kampf gen Wildenstein.

Im Kirnitzschtal an einer kühlen Quelle kam es zu einer heißen Schlacht. Dort traf Graf Bernhard von Camenz auf den Raubbold von Niemanitz, der sein Freund war. Doch statt gemeinsam mit dem Bernhard gegen den Wildenstein zu ziehen, hatte sich der Raubbold mit dem Heinrich von der Duba verbündet und trachtete nun dem Bernhard nach seinem  Leben. Es gab ein Gerangel, das wahrlich nicht ritterlich zu nennen war und am Ende streckte der Bernhard von Camenz den Verräter nieder. Über den Sterbenden gebeugt, rief der Graf voller Gram und Enttäuschung über die Treulosigkeit des falschen Freundes seinen Fluch: "Tod und Schande über diesen Ort, Schandaue soll er heißen hinfort."

Da schwebte der Geist der Berge in das Tal. Der wußte von seiner Freundin, der Quellnixe, daß das Wasser der kleinen Quelle Heilkräfte besaß. Er stellte sich vor den Grafen Bernhard hin und verkündete: "Ich will mildern Deinen Fluch. Nicht Tod und Schande soll der Name diesem Ort bringen; das Wasser dieser kühlen Quelle soll sein größter Schatz werden. Wenn es die Menschen klug angehen, soll nunmehr dieser Ort mit diesem Wald, der schönen Aussicht von den Bergen und der guten Luft ringsum trotz seines Namens ein Segen für die Menschheit sein."

Und so kam es auch: Knapp vierhundert Jahre später war Schandau als Ort der Kuren und Erholung bekannt und bis heute kommen Jahr für Jahr viele Gäste hierhin. Und an manchen Sommerabenden kann man die Quellnixe sehen, wie sie im Nebelschleier aus dem feuchten Moose steigt und darüber wacht, daß das Wasser der Quellen munter weiter sprudelt.
nach oben


Die Höhlen des Neuen Wildensteins

Hoch überm tiefen Kirnitzschtal nahe Lichtenhayn (heute Lichtenhain) trifft man auf einen großen Felsenberg, den Neuen Wildenstein. Seine Kluften und Höhlen sind seit jeher den Menschen des Elbsandsteingebirges Unterschlupf in Not gewesen. Die größte Höhle ist in dem Hauptfelsen, da wo einst das Tor zu der großen Burg war, die die Berka von der Duba erbauten. Seit dem Dreißigjährigen Kriege wird diese Höhle aber "Kuhstall" genannt, weil sich dort die Lichtenhayner Bauern mit ihrem Vieh vor dem Krieg versteckt haben.

Geht man weiter westwärts, kommt man durch tiefe Kluften zu einem anderen Felsenriff des Neuen Wildensteins, das viele Jahrhunderte lang keinen Namen hatte. Erst seit die Kletterer das Elbsandsteingebirge eroberten, heißt dieser Felsen die "Zyklopenmauer". Über abenteuerliche und enge Wege gelangt man zu einer Höhle, die nennen die Leute "Pfaffenhöhle". Einst, als die Hussiten, jene böhmischen Neugeister, gegen die alte kirchliche Macht in das Elbsandsteingebirge zogen, flüchtete sich der katholische Pfarrer von Lichtenhayn hierher. Seine hussitisch gewordene treulose Kirchgemeinde verfolgte ihn und fand ihn schließlich in dieser Höhle und der Mob stürzte den Pfarrer im blinden Rausche in die fürchterliche tiefe Kluft vor der Höhle. Diese Kluft heißt bis heute noch die "Pfaffenklunst".

Eine andere Höhle gleich daneben machte schon viel eher von sich reden, das "Schneiderloch". Zu Zeiten des Hinko von der Duba, der auf dem Hohnstein saß, beschloß eines Tages ein Schneiderlein, wohl aus Übermut und Größenrausch, Nadel, Zwirn und Schere gegen die Räuberskluft zu tauschen. Der Schneider war ein gar übler Bösewicht, er raubte alles, dessen er habhaft werden konnte und er wurde gar noch Räuberhauptmann. Als er sich auch noch an die Pfaffen heranmachte, war es dem Hinko von der Duba zuviel des Guten. Mit seinen Rittersknechten zog Hinko zum Neuen Wildenstein und sie spürten den Schneider auf. Man fand ihn zu guter Letzt in jenem besagten Loch, und bald darauf wurde er gehenkt.

Die erbeuteten Schätze des räuberischen Schneiderleins aber hat man nie gefunden, sie liegen noch heute irgendwo bei der Zyklopenmauer. Man erzählt sich, der Geist des Schneiders soll hier umgehen und das Gold, die Edelsteine und die anderen Kostbarkeiten bewachen. Nur ein einziges Mal im Jahr, zu einer bestimmten Mitternacht, liegt der Schatz offen im Fels da. Wer sich´s traut, kann zugreifen und ist reich - doch der Geist des Schneiders steht davor als ein großer schwarzer Ziegenbock, der Feuer speit.
nach oben


Der Mittagsspuk auf dem Lilienstein

Anfang des 18. Jahrhunderts war in Dresden der Kaffee mächtig in Mode gekommen. Und so ist es nicht verwunderlich, daß in den späteren Jahren die vornehmen Reisenden bei Ihren Wanderungen in die Felsenwelt immer öfter zum Picknick außer Wasser und Wein auch einige Portionen des wohlriechenden Kaffepulvers mitnahmen.

Eines Tages waren zwei der wohlhabenden Herren von Schandau aufgebrochen und unterwegs nach dem Lilienstein. Am Fuße des Tafelberges füllten sie ihre Wasserflaschen an einer Quelle, die in späteren Zeiten "Franzosenborn" genannt wurde und noch heute so heißt. Es war ein sehr heißer Tag und die beiden Unentwegten kamen sehr erschöpft zur Mittagsstunde auf dem Plateau des Liliensteins an. Genau da brach durch die Wipfel der wenigen Bäume ein tosendes Gesäuse, die Bäume ächzten und bogen sich, Äste brachen und flogen krachend den beiden Wanderern um die Ohren; die eben noch lieblich zwitschernden Vögel kreischten sinnberaubend mit spitzen Schreien und das Tageslicht verdüsterte sich. Die beiden ahnungslosen Wanderer wußten nichts von der Besonderheit der Mittagsstunde auf dem Lilienstein und wollten auf ihre wohlverdiente Rast nicht verzichten.

So suchten sie schnell, jedoch ohne Arg und Angst nach einer windstillen Scharte. Sie fanden nach einigem Umherschauen eine ziemlich versteckt liegende Spalte, stiegen etwas hinab, entfachten ein kleines Feuer aus dürrem Holz, in ihrem Kupferkännlein erhitzten sie etwas von dem mitgebrachten Wasser und brühten den Kaffee auf. Die etwas weiter oben tobende Atmosphäre hatten sie schon fast verdrängt. Der eine der beiden Wanderer verschüttete jedoch beim Einschenken etwas von seiner heißen Köstlichkeit und in diesem Moment glaubten die beiden, aus der Tiefe der Felsspalte einen kurzen fluchenden Schrei zu vernehmen.

Plötzlich fuhr ihnen doch der Schreck durch die Glieder. Das stürmende Tosen zog jetzt auch in ihre geschützt geglaubte Felsspalte, das Schreien der Vögel wurde immer stärker und drang gellend in ihre Ohren, es wurde immer dunkler und die mehr und mehr aufbrausenden Wirbelwinde rissen ihnen ihre gefüllten Kaffetassen aus den Händen und trugen sie fort. Das Feuer erlosch und die beiden Wanderer zitterten nun vor Todesangst.

Und ebenso plötzlich verstummte alles und überall auf dem Lilienstein war es, als ob nie etwas gewesen wäre. Es war genau 1 Uhr und die Sonne schien wieder, nur die beiden Wanderer waren etwas zerzaust. Nichts weiter geschah und die Herren wanderten irgendwann schweigend mit blassen Gesichtern wieder nach Schandau zurück und erzählten niemandem von ihrem Erlebnis auf dem Lilienstein. Doch die Einheimischen hätten sich nicht gewundert über diese Geschichte. Schon seit Ewigkeiten haust auf dem Lilienstein ein Berggeist, der gelegentlich zur Mittagsstunde zwischen 12 und 1 Uhr auf dem Plateau umhergeht und alle Wanderer mit seinem Spuk vertreibt. Nicht nur, daß die beiden Wanderer ahnungslos waren, sie hatten den Berggeist auch noch mit ihrem verschütteten heißen Kaffee verbrüht.

Wanderer berichten wohl deshalb bis heute immer wieder von einem Phänomen: Wer auf dem Lilienstein mittags zwischen Zwölf und Eins Kaffee trinkt, gleich, ob es selbst mitgebrachter in der Kanne oder frisch ausgeschenkter aus der Gastwirtschaft ist, egal ob der Berggeist gerade seinen stürmischen Spuk treibt oder nicht, der Wanderer verbrüht sich am ersten Schluck den Mund, auch wenn er sich noch so sehr vorsieht.
nach oben


Die Geister vom Hockstein

Es war einst irgendwo im Meißnischen Hochland ein Wirtshaus mit einer hübschen Wirtin, die war recht drall und rund. Die bot eine gute deftige Hausmannskost und das wußte auch ein junger Maler zu schätzen, der oft bei ihr einkehrte. Die Wirtin liebäugelte bald mit dem jungen Mann und verliebte sich unsterblich in ihn. Sie verwöhnte den Hallodri mit den besten Speisen, dem größten Stück Fleisch und dem teuersten Wein. Der junge Maler nahm das gerne an, war auch sonst recht galant und zuvorkommend zu der Wirtin, hatte aber sonst keine ernsteren Absichten.

Eines Tages unternahm die Wirtin eine Reise ins Elbsandsteingebirge und der junge Mann begleitete sie auf ihren Wunsch hin aus besagter Höflichkeit. Als sie dann beide auf dem Hockstein standen und in das wilde Polenztal schauten, ward die Wirtin von der schönen Stimmung so überwältigt, daß sie nicht mehr an sich halten konnte und sich dem Maler an die Brust warf und ihm ihre heiße Sehnsucht gestand. Sie schlang ihre Arme um den Hals des Malers und wollte ihn küssen. Das aber war doch zuviel für den jungen Mann, er bekam es mit der Angst und zitternd an allen Gliedern lief er davon, die schmale Wolfsschlucht hinab. Die Wirtin in ihrem Liebeswahn rannte schnell entschlossen dem Maler hinterdrein und griff nach ihm. Doch plötzlich blieb sie, die so drall´ und rund war, an der engsten Stelle der Schlucht stecken, kam nicht mehr vor und zurück und erstickte gar jämmerlich. Der Maler indes entwischte ihr, lediglich ein Fetzen seiner Hose blieb in der Hand der Wirtin zurück.

Der Geist der Wirtin fand keine Ruhe und irrte seitdem um den Hockstein herum. Dem jungen Mann aber ging die Wirtin nicht mehr aus dem Kopf. Tag und Nacht mußte er an sie denken und er verfiel aus schlechtem Gewissen in tiefen Gram. Immer wieder wanderte er auf den Hockstein. Dort saß er dann und seufzte ihren Namen laut. Eines Abends, als er da wieder mal so auf dem Hockstein saß und zum hundertsten Mal seufzte, umfaßte irgendetwas sanft seinen Hals und erlöste ihn von seiner Seelennot.

Seitdem gehen die Geister der zwei auf dem Hockstein um und schwirren den Besuchern um die Köpfe.
nach oben


Das Buttel von Dorf Wehlen

Seit ewigen Zeiten haust und geistert in Dorf Wehlen das Buttel. Das ist ein gespenstischer kleiner Kobold, der tagsüber allerhand Unfug treibt und in allerlei schwarzen Gestalten auftritt, nachts aber treibt das Buttel üblen Schabernack - es erscheint plötzlich als rotglühender Feuerschweif und erschrickt die Leute, besonders die ängstlichen. Wenn die Leute in Dorf Wehlen wissen, bei wem das Buttel wohnt, machen alle, besonders die Kinder einen großen Bogen um desjenigen Haus.

Das Buttel ist irgendwann nach Belieben in irgendein Haus in Dorf Wehlen eingezogen und dort muß es von den Bewohnern jeden Abend regelmäßig und gut gefüttert werden: Ist es tags eine schwarze Katze, dann bekommt es abends Milch mit eingebrocktem Weißbrot; ist es tags eine schwarze Maus, dann bekommt es abends Speck und Käse; ist es tags ein schwarzes Huhn, dann bekommt es abends Körner; ist es tags eine schwarze Ziege, bekommt es abends Gemüse und Löwenzahnblätter und so weiter, und so weiter.

Und wehe, man vergißt auch nur ein einziges Mal, das Buttel zu füttern und gut zu versorgen, dann brennt es einem in der nächsten Nacht das Haus ab, als ob´s ein Versehen wäre. Schlimmer noch ist, daß man das Buttel irgendwann irgendwie loswerden muß, weil keiner, der das Buttel im Haus hat, sterben kann, gleich, wie alt, krank oder lebensüberdrüssig er ist. Erst, wenn man das Buttel geschickt und unbemerkt an einen anderen weitergereicht hat, findet man seinen Frieden und kann sterben.

Wer also in Dorf Wehlen auf Reisen Quartier bezieht, sollte darauf achten, ob es im Haus eine schwarze Katze oder ein anderes schwarzes Tier gibt - es könnte das Buttel sein, daß den Gast dann nachts als rotglühender Feuerschweif in Schrecken versetzen will.
nach oben