Elbsandsteingebirge - Geologie

Mit Beginn der Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren am Ende des Jura war das Land eine eintönige, leicht wellige Landschaft mit trägen Flüssen und kleinen Bergen. Dann senkte sich das Land und von Südosten flutete allmählich ein Meer herein. Die Brandung tobte an den Gesteinen und aus dem angrenzenden Festland der Lausitz, des Erzgebirges und Böhmens wurde Verwitterungsschutt ins Meer gespült.

Sandschicht über Sandschicht lagerte sich ab. Der Sand bestand aus Granit, Gneis und Feldspat mit frischen Quarzkörnern und Fossilien versetzt. In der Folgezeit entstanden daraus Schichten mit unterschiedlicher Färbung, Körnung und Wasserdurchlässigkeit. Durch seinen Eigendruck und verschiedene Bindemittel verfestigte sich der Sand langsam zu Stein. So entstand eine über 600 m dicke Schichttafel.

Nach etwa 7 Millionen Jahren begann sich das Gebiet wieder zu heben und das Meer zog sich zurück. Das Wasser floß an den Gesteinsflächen ab und griff den entstandenen Sandstein von außen an. Das abfließende Wasser sammelte sich auch in Rinnsalen, die sich zur Elbe und ihren Nebenflüssen zusammen fanden. Hinzu kam Sickerwasser, das den Sandstein von innen her zersetzte. Sandstein kann bis zu 14 % seines Gewichtes an Wasser aufnehmen und ist dann besonders brüchig.

Am Ende der Kreidezeit begann sich die Erdkruste zu bewegen. Der Lausitzer Granit schob sich über die 600 m dicke Sandsteinplatte. Diese Lausitzer Überschiebung verläuft dort, wo die runden, sanften Formen der Lausitz plötzlich in die schroffe Felsenwelt der Sächsischen Schweiz übergehen. Im Tertiär hob sich das Erzgebirge, die Karsdorfer Verwerfung stellte den Südteil des Elbsandsteingebietes um ca. 200 m schräg nach oben. Die Sandsteinplatte zerbarst unter dem gewaltigen Druck dieser Verwerfungen.

Die größte aus den Verwerfungen entstandene Höhe des Elbsandsteingebirges ist der Tafelberg Dĕčinský Snĕžnik - Hohe Schneeberg (723 m) in der Böhmischen Schweiz, in der Sächsischen Schweiz der Große Zschirnstein (562 m). Die niedrigsten Punkte sind heute auf sächsischer Seite die Elbe bei Pirna (110 m ü. NN) und auf böhmischer Seite die Elbe bei Hřensko (116 m ü. NN). Das Stromgefälle der Elbe in der Sächsischen Schweiz beträgt auf 34 Kilometern 8,2 Meter.

Durch die Erdkrustenbewegungen wurde die Sandsteinplatte vertikal zerklüftet. Die einst kompakte Sandsteintafel durchzogen erst kleine, dann immer größer werdende Risse und Spalten. Und die Elbe, die mitten im Gebiet fließt, fraß sich durch die Risse und Spalten hindurch. Da die Sandsteinplatte keine einheitliche Formation war, sondern durch die Schichtungen unterschiedlicher Festigkeit auch horizontal gegliedert war, wuschen sich allmählich Überhänge und Höhlungen aus den weicheren Schichten heraus. Auch die senkrechten Spalten wurden mehr und mehr ausgewaschen. Man spricht hier vom Quadersandstein.

Die Erosion, das sind Wasser, Wind, Hitze und Frost, formt immer weiter am Sandstein und läßt nach und nach Felsnadeln und Schluchten, aber auch Tafelberge, gewaltige Wände, Felstürme, Steine, Einsturzhöhlen und Schichtfugenhöhlen entstehen. Auch die besonderen Strukturen des Sandsteins wie Wabenwände, Sanduhren, Eisenbänder, Platten, Rippen, Risse, Kamine und Strudeltöpfe sind Folge dieser Verwitterungsvorgänge und der unterschiedlichen Zusammensetzung der verschiedenen Sandsteinschichten wie z.B. der Eisenanreicherungen im Gestein oder der bindemittelarmen sandig-tonigen Schichten. Markantes herausragendes Gebilde der Erosion ist z.B. das Pravčická brána (Prebischtor) im Böhmischen Nationalpark, das mit 26 m Länge und 16 m Höhe eine in Europa einzigartige natürliche Felsenbrücke ist. Das Prebischtor entstand durch Verwitterung und Auswaschung der weichen bindemittelarmen horizontalen Sandsteinschichten und durch das Herausbrechen von Felsblöcken über Jahrtausende hinweg. Markante Beispiele sind auf sächsischer Seite der Kuhstall am Neuen Wildenstein, der Diebskeller am Quirl, die Lichterhöhle am Kleinhennersdorfer Stein und die Gamrighöhle oberhalb des Kurort Rathen, die alle Schichtfugenhöhlen sind und durch ähnliche Verwitterungsvorgänge entstanden sind. Beispiele für reine Einsturzhöhlen sind das Felsentor im Uttewalder Grund, die Teufelsküche im Uttewalder Grund, die Kleinsteinhöhle oberhalb der Hinteren Kirnitzschtalstraße und die Götzingerhöhle beim Kleinen Bärenstein. Der Sandstein unterliegt auch einer Verkarstung, deren Hauptmerkmal der überwiegend unterirdische, nicht durch die Porosität des Sandsteins bedingte Wasserhaushalt ist. So entstanden durch Gesteinsauflösungen (Korrosion) viele der in der Sächsischen Schweiz bekannten unterirdischen Höhlen.

Die durch Erosion geschaffene Landschaft gliedert sich in drei Landschaftsstockwerke. Stockwerk III ist das oberste und gekennzeichnet durch eine besondere Schroffheit. Hierzu zählen Tafelberge, Steine, Riffe und Felsen. Das zweite Stockwerk umfasst die Ebenheiten und das unterste Stockwerk I umfaßt die Täler, Gründe und Schlüchte. Der höchste Höhenunterschied des Elbsandsteines beträgt 450 m.

Vom tertiärem Vulkanismus, bei dem Magma durch Vulkanschlote das Gestein durchbrochen und typische Basaltkegel gebildet hat, zeugen Stolpener Burgberg (357 m), Cottaer Spitzberg (391 m), Hausberg (397 m), Heulenberg (382 m), Raumberg (459 m) und der Růžovský vrch - Rosenberg (619 m). War das Magma zähflüssiger, bildete es über den Sandsteinsockeln flachere Basaltdecken. Beispiel hierfür sind der Große Winterberg (556 m) und der Kleine Winterberg (500 m). In anderen Vulkanschloten blieb der Basalt bei den eruptiven Vorgängen auf seinem Weg durch den Sandstein stecken, es entstanden sogenannte Basaltgänge. Erst durch lange weitere Abtragungsprozesse wurden diese Basaltschmelzen freigelegt. Das sind keine eigentlichen Basaltberge, solche sind z.B. der Große Zschirnstein (562 m) und der Gohrisch (448 m).

Unsere Vorfahren, als sie später das Gebiet besiedelten, berücksichtigten bereits bei der Namensgebung der Landschaft diese geologischen Unterschiede. So heißen alle Tafelberge aus Sandstein grundsätzliche "Steine" (z.B. Lilienstein- 415 m, Königstein- 361 m, Pfaffenstein- 434 m), die kegelförmigen Basaltkuppen dagegen heißen "Berge" (z.B. Winterberg 556 m, Raumberg- 459 m). Ein Berg halb aus Sandstein, halb aus Granit heißt "Steinberg" (Steinberg bei Hinterhermsdorf- 459 m).

Es folgte das Eiszeitalter, das drei Eiszeiten über das Gebiet des Elbsandsteines schickte. Die Eispanzer schoben Schmelzwassersande, Geschiebelehme und später Lößlehme vor sich her, die die Humusschicht auf Felsen, in Schlüchten und auf den Ebenheiten bildeten und so zur Grundlage für die Waldbildung im Elbsandsteingebirge wurden.

Im Ergebnis der geologischen Geschehnisse entstand eine außerordentliche Formenvielfalt auf engstem Raum. Heute findet man in der Sächsischen Schweiz majestätische Tafelberge, bizarre Felsformationen, abenteuerliche Schlüchte, weite Ebenheiten mit Wiesen und Feldern, geschlossene Waldbereiche, tief liegende Wildbäche und das Elbtal. Der rasche Wechsel der gegensätzlichsten Formationen macht den besonderen Reiz des Elbsandsteingebirges aus. Bemerkenswert ist auch das Inversionsklima im Elbsandstein. Feuchte Gründe mit aber meist dürren Bächen und warme Plateaus bedingen auch eine Umkehr der Höhenstufung bei der Verbreitung von Pflanzen und Tieren, lassen das Gebirge auf dem Kopf stehend erscheinen.

Sandstein ist ein warmes Gestein mit angenehmen Griff. Er ist aber zugleich weich, porös und brüchig. Die Zerstörung des Elbsandsteins durch Erosion und chemisch-physikalische Verwitterung setzt sich bis heute und auch in Sächsische Schweiz - Felssturz 2000 am Wartturm zwischen Bastei und WehlenZukunft fort, das macht das Elbsandsteingebirge so schutzbedürftig. So ist Erosionsschutz auch eines der Anliegen des Nationparks.

Kleinere Felsstürze sind keine Seltenheit, besonders nach strengen Wintern wird das gefrorene Wasser zur eruptiven Kraft. So lösten sich im März 2010 in Porschdorf etwa 8 m³ Fels hinter einem Haus; im Februar 2011 stürzte im Schulzengrund beim Brandmassiv eine Felswand direkt auf den beliebten Wanderweg; am 06.04.2011 kippte ein 5 m hoher Felsblock an der Zyklopenmauer nahe des Kuhstalls. Am 27.05.2012 wurden Wanderer durch einen Felssturz in den Schwedenlöchern verletzt und es mußten vorsorglich weitere absturzgefährdete Felsenstücke dieses beliebten WanderwegesSächsische Schweiz - Sanierter Murengang bei Stadt Wehlen gesprengt werden. Im September 2014 stürzte ein ca. 50 m³ großer Felsbrocken auf die Kirnitzschtalstraße, es folgte eine mehrwöchige Felssicherung mit vorbeugenden Sprengungen, aufwendiger Hangsanierung.

Große Felsstürze aber gehen in die Chroniken ein. So 1872 an den Weißen Brüchen in Wehlen, bei dem 2/3 des dortigen Elbe-Flußbettes verschüttet wurden. 1877 an den Postelwitzer Steinbrüchen und erneut an den Weißen Brüchen, 1948 am Oberen Ganskopf, 1972 am Papststein, bei dem ca. 4000 m³ Fels abstürzten, 1981 am Neubertturm. Der letzte große Felssturz ereignete sich am Wartturm im Jahr 2000, bei dem 500 m³ in die Tiefe in Richtung Elbe stürzten und 2010 gab es einen großen Felssturz in Hřensko.

Auch Erdrutsche, sogenannte Murengänge, kommen in der Sächsischen Schweiz vor. Bedingt durch starke Niederschläge oder Schmelzwasser geraten instabile Hänge, meist alte Steinbruchhalden, ins Rutschen und können durchaus bedrohlich werden. Einen großen Murengang gab es im August 2010 im Stadt Wehlener Ortsteil Zeichen, bei dem ein Wohnhaus zerstört wurde und abgerissen werden mußte.