Sächsische Schweiz - Nationalpark

Bis zur Gründung des Nationalparks Sächsische Schweiz war es ein weiter Weg.
Die erste Nationalparkidee stammt aus Amerika, 1872 wurde der Yellowstone-Nationalpark ausgerufen. Der Grundgedanke der Nationalparks ist, ein Stück paradiesische Natur für die Gegenwart und Nachwelt langfristig zu bewahren. In Europa setzte sich der Nationalparkgedanke insgesamt nur zögerlich durch. 1970 wurde der Bayerische Wald erster deutscher Nationalpark, mittlerweile bestehen in Deutschland 14 Nationalparks.

Erste Einzelmaßnahmen des Landschaftsschutzes in der Sächsischen Schweiz reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, 1912 wurde ein erstes flächenhaftes Naturschutzgebiet im Polenztal ausgewiesen. Der Nationalparkgedanke für die Sächsische Schweiz wurde 1953/54 in der DDR erstmals aufgegriffen, scheiterte aber letztlich an gesellschaftlichen Problematiken. 1956 wurden dennoch 368 km² Sächsische Schweiz als Landschaftsschutzgebiet festgelegt. In das LSG waren ca. 22 km² strenger geschützte Naturschutzgebiete eingeschlossen. Mit der Ausrufung des Nationalparks Sächsische Schweiz wurden dann 1990 die natürlichsten Bereiche des LSG umfangreich und gebührend geschützt. Am 27./28.04.1991 eröffnete der damalige Ministerpräsident Sachsens Dr. Kurt Biedenkopf feierlich den ersten Nationalpark der neuen Bundesländer.

Der Nationalpark Sächsische Schweiz umfaßt eine Gesamtfläche von ca. 93,5 km² und besteht aus zwei Teilen - einem in der Vorderen Sächsischen Schweiz (Gebiet um Uttewalder Grund, Bastei, Polenztal, Waitzdorf, Lilienstein) und einem Teil in der Hinteren Sächsischen Schweiz (Gebiet um Winterberg, Kirnitzschtal, Großer Zschand, Hinterhermsdorf).
Logo des Nationalparks Sächsische Schweiz
Der Nationalpark Sächsische Schweiz besteht überwiegend aus Wald-Fels-Gebieten. Ca. 92 % des Nationalparks sind bewaldet, davon befinden sich über 85 % in Staatsbesitz.

Das den Nationalpark umschließende Landschaftsschutzgebiet umfaßt ca. 287,5 km². Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet bilden zusammen die „Nationalparkregion Sächsische Schweiz“.

Das Logo des Nationalparks Sächsische Schweiz mit dem Lilienstein -
Es begegnet den Besuchern immer wieder im Nationalpark
(c) Nationalpark Sächsische Schweiz



Aufgaben des Nationalparks sind:

1.
Die für Europa einmalige naturräumliche Eigenart des Elbsandsteingebirges
einschließlich seiner Übergangszonen zu bewahren

2.
Die natürlichen und naturnahen Lebensgemeinschaften sowie den artenreichen
Pflanzen- und Tierbestand zu erhalten bzw. zu regenerieren und wissenschaftlich zu erforschen

3.
Im Gebiet des Nationalparks der Bevölkerung Bildung und Erholung einschließlich
Bergsport zu ermöglichen, soweit es der Schutzzweck erlaubt


Die Sächsische Schweiz ist seit Jahrhunderten eine vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft. Während die Felsgebiete seit jeher Wildnis waren, wurden die Waldgebiete frühzeitig genutzt und verändert. So sind die speziellen ursprünglichen Waldgesellschaften teilweise zerstört, besonders Tanne und Eiche sind stark dezimiert. Es ist im Laufe der Jahrhunderte eine Überfichtung und ein Überbestand an Rot- und Schwarzwild eingetreten. Aber einige geschlossene Wald-Fels-Gebiete weisen bis heute sehr naturnahe Verhältnisse auf. Diese Areale verdienen im Nationalpark einen strengeren Schutz als die übrigen. Somit gibt es im Nationalpark Sächsische Schweiz eine Einteilung in drei Schutzzonen:

Naturzone A (Ruhezone) ca. 54 % der Fläche des Nationalparks;
Naturnahe Wald-Fels-Gebiete - bleiben ohne Eingriffe des Menschen
Naturzone B (Entwicklungszone) ca. 41 % der Fläche des Nationalparks;
Vom Menschen veränderte Waldgebiete - Waldbestände werden stabilisiert und renaturalisiert
Pflegezone ca. 5 % der Fläche des Nationalparks;
Besiedelte Randgebiete - dauerhafte Pflege zur Verkehrssicherung


Langfristig, innerhalb von ca. 30 Jahren, sollen mehr als 75 %  des Nationalparks zur Ruhezone, also zu naturnahen und dann naturbelassenen Arealen werden. In der Entwicklungszone werden dazu bei der Renaturalisierung etliche der ursprünglichen Baumarten wieder angepflanzt. Für die notwendigen Waldarbeiten kommen wieder traditionelle Rückepferde zum Einsatz, die sehr waldbodenschonend arbeiten.

Innerhalb der Naturzone A ist ein großer Teil der Fläche als besondere Kernzone ausgewiesen, die ca. 23 % der gesamten Nationalparkfläche ausmachen. Diese Kernzonen sind fast ursprüngliche Gebiete, deren Naturausstattung ganz besonderen Schutzes bedarf. Um die Erholungsnutzung dieser Gebiete zu ermöglichen, sind besondere Verhaltensregeln von den Besuchern zu beachten.


Totholz

Im Nationalpark ist jegliche wirtschaftliche Nutzung, auch des Holzes, ausgeschlossen. Die Natur bleibt weitgehend, in den Kernzonen absolut, sich selbst überlassen. Damit wird ein Anteil Totholzes zum Markenzeichen des Nationalparks werden. Für viele Besucher mag es ob der sonst "aufgeräumten" Wälder zunächst ein ungewöhnlicher chaotischer Anblick sein, daß Baumstämme und Stubben kreuz und quer im Wald "herumliegen". Totholz und absterbende Bäume aber sind ein ganz natürlicher Bestandteil gesunder Wälder und sind darüber hinaus Lebensquell für eine Vielzahl von Insekten wie Käfer, Hornissen und Holzwespen und Schutz- und Wohnraum für z.B. Spechte, Bilche und Fledermäuse. Auch viele Pilzarten und Pflanzen, die zum Gleichgewicht der Natur erforderlich sind, leben mit oder vom Totholz, insgesamt rund 1/3 der Lebewesen im Wald. Und aus den sich zersetzenden Bäumen und dem entstehenden Humus erwächst eine neuer gesunder Naturwald. Totholz macht uns den Kreislauf der Natur deutlich und lehrt uns einen veränderten, entschleunigten Zeitbegriff. Windwurf, Schneebruch und Felsstürze gehören ebenso zum natürlichen Bild des Nationalparks.

Nationalpark Sächsische Schweiz - Totholz Nationalpark Sächsische Schweiz - Totholz Nationalpark Sächsische Schweiz - durch Borkenkäfer absterbender Wald


Schwerpunkte des Nationalparks sind auch Bildungsarbeit und Umwelterziehung im weitesten Sinne. Dazu gibt es ein breites Angebot an Faltblättern, Broschüren, Vorträgen, geführten Wanderungen, Fachexkursionen, Ausstellungen, Karten, Büchern sowie die sehr lesenswerte und umfangreiche Internetpräsenz
www.nationalpark-saechsische-schweiz.de.

Die Sächsische Schweiz ist traditionell auch ein Wander- und Erholungsgebiet. Das macht es erforderlich, daß sich die Besucher bewußt aufmerksam und rücksichtsvoll der Natur gegenüber verhalten. Das Netz gut ausgebauter markierter Wanderwege bietet vielfältige Möglichkeiten, die Natur zu erleben. Dieses Wegenetz und seine Unterhaltung obliegen der Nationalparkverwaltung.

Auch der Bergsport bleibt im Nationalpark weiter möglich, schließlich hat der seit über 145 Jahren Tradition. In der Sächsischen Schweiz wird die seit jeher enge Verbindung von Sport und Naturerlebnis erhalten. Das schließt ein, daß die Sächsischen Kletterregeln beibehalten werden und damit ein teilweiser bewußter Verzicht zugunsten der Natur praktiziert wird.

Die Nationalparkwacht mit rund 100 ehrenamtlichen Naturschutzmitarbeitern will das Gespräch mit dem naturinteressierten Besucher suchen, sie will umfassend informieren und beraten. Den Nationalpark Sächsische Schweiz besuchen jährlich mehr als zwei Millionen Menschen.

  Informationsstellen des Nationalparks:  
  1. Nationalparkzentrum Bad Schandau
    (ist das zentrale Besucher- und Informationszentrum des Nationalparks Sächsische Schweiz)
2. Nationalparkamt Bad Schandau
3. Infostelle Schweizerhaus auf der Bastei
4. Infostelle Amselfallbaude im Amselgrund
5. Blockhaus Brand an der Brandaussicht
6. Infostelle Eishaus auf dem Großen Winterberg
7. Zeughaus im Zschand
8. Freigelände Waldhusche in Hinterhermsdorf
9. Infopunkt Bergsport und Naturschutz Schmilka)

Die Sächsische Schweiz findet ihre Fortsetzung im Böhmischen Teil des Elbsandsteingebirges, der seit 1972 als Landschaftsschutzgebiet "ChKO Labske piskovce", heute ca. 280 km², unter Schutz steht. Am 01.01.2000 wurde der "Národní park České Švýcarsko" (Nationalpark Böhmische Schweiz) ausgerufen. Er umfaßt eine Fläche von 79 km², von denen 97 % Waldfläche sind. Der überwiegende Teil des Nationalparks erstreckt sich über das Gebiet der Jetřichovické stĕny (Dittersbacher Wände), das fast unbesiedelt ist und dessen bekanntester Punkt das Pravčická brána (Prebischtor) ist. Der Nationalpark Böhmische Schweiz umfaßt auch die Klammen der Kamenice, in deren Nähe sich das einzige Dorf (Mezná) innerhalb des Nationalparks befindet sowie das Gebiet um den Růžovský vrch (Rosenberg), der die höchste Erhebung des böhmischen Nationalparks ist. Auch der Nationalpark Böhmische Schweiz unterteilt sich in drei Schutzzonen (I, II, und III), von denen die Kernzone (I) ca. 20 % des Gebietes erfaßt. Infostellen im Nationalpark Böhmische Schweiz befinden sich in Hřensko und Jetřichovice, der Sitz der Nationalparkverwaltung ist in Krásná Lípa.